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Das Ziel klar vor Augen: Nisthilfenhersteller auf dem Weg zur Digitalisierungs-Roadmap

Das flowbee-Team im Brainstorming

Wie entsteht eine erfolgreiche Digitalisierungs-Roadmap? Am Beispiel eines Troisdorfer Start-ups zeigen wir, wie mit Potenzialanalyse, Stakeholder-Map und Anforderungsanalyse aus einer ersten Idee ein digitales Tool mit echtem Mehrwert wird. Das strukturierte Vorgehen bietet auch für andere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) praxisnahe Impulse – für Digitalisierung mit Substanz und Zielorientierung.

Digitalisierung braucht Strategie – und einen klaren Plan. Kein Digitalisierungsprojekt gleicht dem anderen, denn jedes Unternehmen hat eigene Strukturen, Ziele und Herausforderungen. Das gilt auch für das Start-up flowbee, das Nisthilfen für Wildbienen herstellt und sich für Arten- und Umweltschutz engagiert. Im Projekt mit dem Mittelstand-Digital Zentrum WertNetzWerke und dem EDIH Rheinland entstand eine interaktive Karte, die den Nutzer:innen zeigt, wie viele Nistplätze bereits geschaffen und wie viel Blühfläche gespendet wurde. Aber wie kommt es eigentlich zu so einer konkreten Lösung?

In diesem Blogbeitrag zeigen wir die einzelnen Schritte auf dem Weg zur Digitalisierungs-Roadmap – von der ersten Potenzialanalyse bis zur Entscheidung für ein umsetzbares, nachhaltiges digitales Tool. Das Beste daran: Auch andere kleine und mittlere Unternehmen können von diesem strukturierten Vorgehen profitieren.

1. Schritt: Potenziale erkennen – Was steckt im Geschäftsmodell?

Zum Auftakt analysierten wir gemeinsam mit dem Start-up, wo digitale Ansätze besonders sinnvoll sein könnten. Dafür organisierten wir einen ca. zweistündigen Workshop – klassisch mit Whiteboard, Post-its und viel Raum für Ideen. Ziel der Potenzialanalyse war es, die Bedürfnisse des Unternehmens systematisch zu erfassen und daraus erste Digitalisierungspotenziale abzuleiten. Wie bei vielen Start-ups ging es vor allem um Neukundengewinnung, den Ausbau der aktuellen Marketingstrategie und die Erschließung neuer Vertriebswege. 

Dazu war es notwendig, einen genaueren Blick aufs Geschäftsmodell zu werfen: Was wird eigentlich verkauft – und was steckt noch drin? Die Antwort: Zum einen haptische Produkte (die Nisthilfen selbst), zum anderen Wissen und Informationen rund um Wildbienen, Artenvielfalt und Umweltschutz.

In einem kreativen Brainstorming entstanden viele Ideen, wie sich diese Angebote digital erweitern ließen, wie z. B.:

  • ein Chatbot mit Wildbienen-Wissen
  • eine KI-gestützte Bilderkennung für Nisthilfen
  • der Einsatz eines digitalen Produktpasses
  • …und die Idee zur interaktiven Karte von Blühwiesen und Nistplätzen, die schließlich realisiert wurde.

Unsere Digitalisierungsexpert:innen prüften parallel, welche Ideen technisch umsetzbar wären, während das Team intern priorisierte. Die Entscheidung fiel schließlich zugunsten der Karte – ein erster greifbarer Baustein der Digitalstrategie.

2. Schritt: Stakeholder-Map – Für wen machen wir das eigentlich?

Bevor es in die technische Umsetzung ging, stellten wir eine entscheidende Frage: Wer profitiert von der digitalen Lösung – und wer muss einbezogen werden? Dazu nutzten wir ein Werkzeug, das in der strategischen Planung häufig unterschätzt wird, aber enorm hilfreich ist: die Stakeholder-Map. Sie hilft dabei, alle Personen oder Gruppen zu identifizieren, die direkt oder indirekt vom Projekt betroffen sind – oder es beeinflussen können. Das können interne Mitarbeitende sein, aber auch Kund:innen, Unterstützer:innen, Sponsoren oder Partner. Eine Stakeholder-Map ist besonders wichtig, wenn neue digitale Produkte oder Geschäftsmodelle entstehen. Sie sorgt dafür, dass die Zielgruppe nicht aus dem Blick gerät – und hilft bei der Ableitung konkreter Anforderungen.

Im Online-Workshop ordneten wir die Stakeholder in drei Gruppen:

  • Core-Team: das Unternehmen selbst
  • Aktiv Beteiligte: z. B. Kund:innen, Partner und lokale Unterstützer:innen
  • Informierte Kreise: z. B. Lieferanten und Naturschutzorganisationen

3. Schritt: Machbarkeit trifft Bedarf – Anforderungen richtig erheben

Nun wurde es technisch – aber nicht technikgetrieben! Denn bei allen Projekten des Mittelstand-Digital Zentrums WertNetzWerke gilt: Digitalisierung muss zum Unternehmen und zur Zielgruppe passen – nicht umgekehrt.

Bevor an der interaktiven Karte gearbeitet wurde, klärten wir gemeinsam:

  • Welche Funktionen soll sie bieten?
  • Was erwarten die Nutzer:innen?
  • Welche Informationen sind wirklich hilfreich?
  • Was wäre nice-to-have?

Die wichtigsten Anforderungen an die Karte, die im Verlauf eines weiteren Workshops erhoben wurden, waren:

  • Darstellung verkaufter Nisthilfen auf einer Landkarte
  • Anzeige der gespendeten Blühwiesen-Flächen
  • Übersicht über bestehende Blühzonen in Deutschland
  • Statistiken zu Nistplätzen und Blühwiesen auf einen Blick

Diese Anforderungen wurden im Dialog mit dem Start-up auf Basis der identifizierten Stakeholder gesammelt und priorisiert. Daraus ergab sich ein erstes Anforderungsprofil, das als Grundlage für den nächsten Schritt diente: das Prototyping. Damit Wie das konkret aussieht – und welche Tools dabei zum Einsatz kommen – erzählen wir im nächsten Blogbeitrag.

Fazit: Strukturierte Digitalisierungsprojekte bringen Klarheit

Das Beispiel zeigt: Eine digitale Idee entsteht nicht zufällig – sie ist das Ergebnis eines systematischen Prozesses. Mit einer Potenzialanalyse lassen sich Bedürfnisse und Chancen sichtbar machen. Die Stakeholder-Map hilft, alle relevanten Zielgruppen im Blick zu behalten. Die technische Machbarkeit und die konkreten Anforderungen geben den Rahmen für die Umsetzung. Diese Bausteine bilden zusammen die Digitalisierungs-Roadmap – also den strategischen Fahrplan, der vom ersten Impuls bis zur konkreten digitalen Lösung führt. Für das Start-up war das am Ende eine interaktive Karte mit Mehrwert für Kund:innen und Unternehmen. Für andere KMU kann es ein ganz anderes Tool sein – aber der Weg dorthin ist vergleichbar: strukturiert, nutzerzentriert und praxisnah. Genau so entsteht Digitalisierung mit Substanz.


Copyright: Lena Köppen für Fraunhofer FIT

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